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Einzelansicht: Aktuelles des ADAC Nordbayern

Interview mit Reiseexperten

Steigende Infektionszahlen – Worauf Urlauber jetzt achten müssen

 

Nach Spanien erklärte das Auswärtige Amt nun auch Teile Kroatiens zum Corona-Risikogebiet. Was das für Urlauber bedeutet, beantwortet ADAC-Reiseexperte Jan Kimmelmann im Interview.

 

Nach der Aufhebung der Reisewarnungen innerhalb der EU gelten nun in Teilen Kroatiens und Spaniens wieder verschärfte Vorschriften für Einreise und Reise-Rückkehr aus den beliebten Urlaubsgebieten. Was müssen Reisende jetzt beachten?

Zunächst ist festzuhalten, dass sich die Lage schnell verändern und entwickeln kann, das haben die vergangenen Monate gezeigt. Die wichtigste Empfehlung für Urlauber ist daher Nachrichten verfolgen und regelmäßig die aktuellen Hinweise auf der Seite des Auswärtigen Amtes aufrufen. Dabei muss aber auch klargestellt werden, dass eine Reisewarnung noch kein Einreiseverbot nach Kroatien, Spanien oder Italien ist. Es gelten dann aber verschärfte Vorgaben für Einreisen und Reiserückkehr, die unbedingt vor Antritt des Urlaubs zu prüfen sind.

 

Für alle Pauschalreisenden: Kann ich meinen Urlaub in Kroatien oder Spanien jetzt ohne Weiteres stornieren?

Ein kostenfreier Rücktritt der gesamten Reise bei kurz bevorstehenden Pauschalreisen ins Ausland ist möglich für Reiseziele, die in Regionen liegen, für die eine aktuelle Reisewarnung vorliegt. Für alle anderen Situationen kommt es auf den Einzelfall an. Es besteht grundsätzlich ein Anspruch auf Rückzahlung des Reisepreises. Sie müssen sich nicht mit einem Gutschein oder einer Umbuchung zufriedengeben. Empfehlung: Nehmen Sie frühzeitig mit dem Reiseveranstalter oder ihrem Reisebüro Kontakt auf.

 

Gilt dies auch für individuell gebuchte Einzelleistungen?

Falls Sie Ihr Ziel nicht erreichen können, weil Einreisebeschränkungen gelten, brauchen Sie nach Ansicht des ADAC auch einzeln gebuchte Leistungen – wie zum Beispiel Hotels – nicht bezahlen, wenn für die Buchung deutsches Recht gilt. Anders ist es dann, wenn Sie direkt beim Anbieter im Ausland gebucht haben. Dann kann das Recht des dortigen Landes statt des deutschen gelten.

 

Sollte sich die Airline oder das Hotel weigern die Buchung kostenfrei zu stornieren, welche Möglichkeiten habe ich als Reisender mit einer Reiserücktrittsversicherung?

Eine Reiserücktrittskostenversicherung tritt grundsätzlich nicht ein, wenn es Krisen im Reiseland gibt. Vielmehr geht es bei der Reiserücktrittsversicherung um Fälle, in denen Sie selbst krank oder durch bestimmte Ereignisse (z.B. Tod von Verwandten, Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit) verhindert sind und nicht wie geplant reisen können. Aber da die WHO Corona inzwischen offiziell als Pandemie einstuft, kann wohl auch dann eine Erstattung schwierig sein, falls Sie selbst an Corona erkrankt sind und eine Reise nicht antreten können oder abbrechen müssen. Denn einige Versicherer sehen vor, dass Schäden, Erkrankungen und Tod infolge von Pandemien nicht versichert sind. Schauen Sie im Zweifel in die Bedingungen Ihres Versicherungsvertrags.

 

Wenn ich trotz Reisewarnung in Spanien, Kroatien, der Türkei oder einem anderen Corona-Risikogebiet meinen Urlaub wahrnehme, womit muss ich bei der Rückkehr nach Deutschland rechnen?

Wer aus einem Risikogebiet zurück nach Deutschland reist, muss sich verpflichtend auf eine Infektion mit Sars-CoV-2 testen lassen. Urlauber, die mit dem Flugzeug, Zug, Schiff oder Bus nach Deutschland zurückkehren, müssen vor der Einreise eine Aussteigekarte ausfüllen. Dort müssen sie neben Kontaktdaten auch Angaben zu Symptomen und – falls vorhanden – einem Testergebnis machen. Die Angaben werden an die zuständigen Gesundheitsbehörden gegeben. Wer mit dem Auto aus einem Risikogebiet nach Deutschland zurückkehrt und daher bei der Einreise keine Aussteigerkarte erhält, muss sich eigenständig beim zuständigen Gesundheitsamt melden.
Bis zum Erhalt des negativen Testergebnisses ist eine häusliche Quarantäne verpflichtend. Diese kann stichprobenartig durch die örtlichen Behörden überprüft werden. Bei einem positiven Testergebnis verlängert sich die Dauer der Quarantäne automatisch auf mindestens 14 Tage. Wer aus einem Land nach Deutschland zurückkehrt, das nicht als Risikogebiet gilt, kann sich innerhalb von 72 Stunden freiwillig testen lassen.