Nürnberger zufriedener mit Radverkehr

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Umfrage „Mobil in der Stadt“ kritisiert Baustellenmanagement und Parkplatzsituation in Nürnberg – ÖPNV im Vergleich zu 2017 unverändert

Die 2020 durchgeführte Neuauflage der Mobilitätsbefragung des ADAC Monitors „Mobil in der Stadt“ ergab ein zweigeteiltes Bild für Nürnberg: Während Rad- und Fußgängerverkehr teils deutlich positiver bewertet wurden, verschlechterte sich der Wert des Autoverkehrs noch einmal leicht. Der ÖPNV blieb weitgehend unverändert.
Da das Studiendesign nur geringfügig angepasst wurde, ist eine Vergleichbarkeit der Ergebnisse gewährleistet. Abgefragt wurden in allen Mobilitätsformen unterschiedliche Aspekte der Nutzung. Dabei konnten die Teilnehmer auf einer Skala von 1 bis 6 zwischen sehr zufrieden und überhaupt nicht zufrieden wählen. Aus den Bewertungen ergibt sich ein Gesamtindex, bei dem die prozentualen Anteile der beiden Top-Abstimmungen (Bewertung 1 und 2) und die beiden negativen Abstimmungen (Bewertung 5 und 6) gegengerechnet wurden.

Baustellenmanagement kritisiert
Bereits 2017 kam der Pkw-Verkehr in Nürnberg mit einem negativen Gesamtindex am schlechtesten weg. Dieser Wert hat sich drei Jahre später noch einmal beim Baustellenmanagement (-8 Punkte) und um bei den verfügbaren Stellplätzen (-7) verschlechtert. Spürbar verbessert hingegen hat sich die Bewertung des Verhaltens von Fußgängern (+10) und die Wegweisung an Straßen (+4). Der Gesamtindex sinkt jedoch von -1 auf -3 Punkte. Jürgen Hildebrandt, Leiter der Abteilung Verkehr, Technik und Umwelt sagt zu den Ergebnissen: „Die in Nuancen weiter verschlechterte Bewertung des Straßenverkehrs belegt die nicht ausreichend aufeinander abgestimmte Baustellenplanung der Stadt. Zudem schlägt sich auch die massive Reduktion von Stellplätzen in der Umfrage nieder.“



Radverkehr in Nürnberg mit deutlichen Verbesserungen
Alle Indikatoren mit Ausnahme des Radwegenetzes wurden beim Radverkehr von den Befragten besser bewertet als noch 2017. Der Gesamtindex steigt hier von 13 auf 18 Punkte. Die größten Sprünge machten die Indikatoren Verfügbarkeit von Leih-Fahrrädern (+25 Punkte), Wartezeit an Ampeln und zuverlässige Zielerreichung (+18 und +19 Punkte) sowie das Angebot von Fahrradstellplätzen (+14 Punkte). „Unserer Einschätzung nach sind unter anderem das attraktive Angebot der VAG für Leihfahrräder sowie der Bau des Fahrradparkhauses mitverantwortlich für die positivere Bewertung des Radverkehrs. Die negative Einschätzung des Radwegnetzes ist sicherlich auf die veränderte Nutzung in der Corona-Krise und auf den öffentlichen Fokus durch den Radentscheid zurückzuführen. Die positiven, baulichen Entwicklungen entfalten zudem erst in den nächsten Jahren ihre Wirkung“, ordnet Hildebrandt die Bewertungen ein. Ebenfalls leicht verbessert hat sich der Fußgängerverkehr (+4 Punkte), was zum Teil mit zurückgehendem Pkw-Verkehr im Zuge der Corona-Pandemie erklärt werden kann.

Bewertung des ÖPNV aufgrund von Corona nur bedingt vergleichbar
Nahezu unverändert wurde der ÖPNV in Nürnberg bewertet. Insbesondere beim Indikator Sicherheit an den Haltestellten (+12 Punkte) konnte sich der ÖPNV aber deutlich verbessern und auch die Bereitstellung von Reiseinformationen (+8 Punkte) und das Preis-Leistungsverhältnis (+7 Punkte) wurde besser bewertet als noch 2017. Letzteres schnitt in der Gesamtbetrachtung aber immer noch sehr schlecht ab, die Verbesserung ist womöglich auf die Einführung des 365-Euro-Tickets für Schülerinnen und Schüler zurückzuführen. Ebenfalls negativer bewertet wurde das Platzangebot, obwohl im Zuge der Corona-Pandemie weniger Nutzung vorlag. Hier verzerrt ein verändertes Abstandsbedürfnis vermutlich die Vergleichbarkeit.

In der repräsentativ angelegten Befragung wurden im Oktober und November 2020 rund 12.000 Interviews in 30 Städten ausgewertet. Nürnberg ist die einzige Stadt, die nach der 2017 durchgeführten Mobilitätsbefragung im vergangenen Jahr erneut teilgenommen hat. Der ADAC Monitor kann Städten eine Grundlage liefern, ihre Mobilitätsplanung zu optimieren und auf die Bedürfnisse der Nutzer abzustimmen. Die weiteren Ergebnisse gibt es unter www.adac.de/monitor.